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Initiative zur Rettung des Pavillons 10.15

Avillon Ansicht vorn links 1

Ein Neuer Platz für 10.15

Der Pavillon 10.15 ist der letzte seiner Art auf dem Gelände der Alten Messe. Von Beginn an waren die Pavillons zahlreich zwischen die großen Messehallen gestreut. In ihrer individuellen Gestaltung schmeichelten die kleinen Schmuckstücke den Augen der Besucher und trugen so enorm zum volksfestartigen Charme des Geländes bei. Als Möglichkeit, sich unabhängig und auffällig zu präsentieren, waren sie auch für die Aussteller nicht mehr wegzudenken, sie vermittelten immer einen besonderen Status. Die Pavillons der Alten Messe wurden meist für eine überschaubare Nutzungszeit konzipiert. Nicht so der Pavillon 10.15. Diesen ließ sich die BANK FÜR GEMEINWIRTSCHAFT errichten. Seine hochwertige und solide Ausführung vermittelt ewigen Bestand. Dazu trägt die unverwüstliche Fassade aus eloxiertem Aluminium wesentlich bei. Als Exportfirma baute das Metalleichtbaukombinat mit hohen Standards. Der Frankfurter Architekt Hans-Ulrich von Mende ließ auch das Interieur komplett importieren, damit nur langlebigste Materialien verbaut wurden. Mit dem Verkauf des Grundstückes an die Firma Stadler wurde die Zukunft für den Pavillon ungewiss. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen bescheinigte dem Gebäude eine Denkmalwürdigkeit, konnte sich aber nicht dazu durchringen, es unter Schutz zu stellen. Am Ende siegten die Verwertungsinteressen für die Grundstücksfläche. Mit einer aufwändigen privaten Initiative wurde der Pavillon demontiert und geborgen, um ihn für das Alte Messegelände zu erhalten. Einen neuen Platz könnte er in Nachbarschaft zum Kreis’schen Kuppelbau finden. Dieser Platz ist umso schlüssiger, als er die Anfänge des Geländes mit der Internationalen Bauausstellung 1913 markiert. Das für die Technische Messe typische Nebeneinander von historischer und moderner Architektur, von großen Hallen und kleinen Pavillons könnte an dieser Stelle noch einmal exemplarisch veranschaulicht werden. Die Nachwelt wird diese Initiative sicher zu schätzen wissen.
Bebauungsplan an Halle 16 1wb
Standortvarianten
Standortvarianten
messe luftaufnahme
Pavillon 3b
  • hocquel 2

    Dr. phil. Wolfgang Hocquél, Dipl.-Ing. für Bauwesen und Fachingenieur für Denkmalpflege
    "Die Erhaltung und Unterschutzstellung des Pavillons als Architekturdenkmal wird dringend empfohlen
    ."

    Begründung für die Denkmalwürdigkeit des Messepavillons 10.15. auf dem Gelände der Alten Messe:

    Ziel des Sächsischen Denkmalschutzes ist es, herausragende Zeugnisse, die von künstlerischem, wissenschaftlichem oder geschichtlichem Interesse sind, für die Nachwelt zu bewahren. Die Denkmalfähigkeit und die Denkmalwürdigkeit im Sinne des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes sind für den ehemaligen Messepavillon 10.15 in vollem Umfange gegeben. An seiner Erhaltung besteht ein besonderes öffentliches Interesse.
    Während in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen auf dem Areal vor allem größere Messehallen entstanden, ist die Bebauungsgeschichte in der DDR-Zeit vorrangig durch Pavillonbauten geprägt, die von den volkseigenen Betrieben und Kombinaten errichtet wurden. Dies hatte vor allem wirtschaftliche Gründe, weil man zur Realisierung von Messegroßbauten schlichtweg kaum in der Lage war. Dennoch waren die Pavillonbauten, die man stattdessen errichtete, oft von hoher architektonischer Qualität. Einen herausragenden Sonderfall stellt der 1977/78 errichtete Pavillon für die ehemalige Bank für Gemeinwirtschaft dar, der von dem westdeutschen Architekten Hans-Ulrich von Mende geplant und vom volkseigenen Metalleichtbaukombinat aus Leipzig realisiert wurde. Architekt und Ausführungsbetrieb konnten für sich in Anspruch nehmen, dem internationalen Standard in Planung und Bau vollauf zu genügen. So entstand ein anspruchsvoller Bau mit einer großzügigen und transparenten Raumdisposition, die auch heute noch zu überzeugen vermag. Mit seiner gut gegliederten, braunen Aluminiumfassade aus geriffeltem Blech stellt er eine Besonderheit in der Leipziger Fassadenlandschaft dar. Die Aufgabe des Gebäudes würde eine unersetzliche Lücke in die Genealogie Leipziger Messebauten schlagen.

    "Die Erhaltung und Unterschutzstellung des Pavillons als Architekturdenkmal wird dringend empfohlen."

    Leipzig, 2017

    Dr. phil Wolfgang Hoquél
    Dipl.-Ing. für Bauwesen und Fachingenieur für Denkmalpflege.
  • sikora 2

    Bernd Sikora
    "Den Wiederaufbau des besonders in seinen Werkdetails bedeutsamen BfG-Pavillons halte ich für besonders wichtig"

    Pavillon der BfG auf der „Alten Messe Leipzig“

    Der 1976/77 errichtete BfG-Pavillon erschien mir damals wie die Vollendung der Mühen um moderne Messearchitektur auf dem einstigen Gelände der „Technischen Messe“, in die ich als sehr junger Architekt eingebunden war. Im Team von Siegfried Holstein war es 1993/64 meine Aufgabe, montierbare Pavillons aus einer Profilstahlkonstruktion und wärmegedämmten Wandplatten zu entwickeln. Unser Leitbild war die Architektur Mies van der Rohes, die dieser in den USA mit kluger Montagetechnologie und vollendetem Werkdetail geschaffen hatte. Ich kannte sie nur von Abbildungen und war mir der materialtechnischen Mängel bei der Umsetzung unserer Entwürfe bewusst. Der von Hans-Ullrich von Mende geplante Stahlskelettbau auf der „Alten Messe“ war für mich damals der Beleg dafür, dass Bauen in dieser modernen Art und Detailqualität auch in Leipzig möglich war. Erst nach 1990 hielt ich Pläne und Fotos vom „Monument des Eisens“ in der Hand, das die deutsche Stahlindustrie nach Plänen der Architekten Bruno Taut und Franz Hoffmann bereits 1913 errichtete. Der dreigeschossige in der Art einer Stufenpyramide entstandene Stahlpavillon stand einst unweit des späteren BFG-Pavillons. Die Formensprache des Deutschen Werkbundes war folglich schon 1913 zur Internationalen Baufachausstellung in Leipzig präsent gewesen. Hans-Ullrich von Mende, Werkbundmitglied in Hessen, hat sie 1976/77 wieder nach Leipzig gebracht.
    Als Gründungsvorsitzender des Sächsischen Werkbundes und späterer mehrjähriger Bundesvorsitzender des Deutschen Werkbundes ist es mir wichtig, diese Traditionslinie der modernen Messearchitektur in Leipzig im Bewusstsein zu halten. Den Wiederaufbau des besonders in seinen Werkdetails bedeutsamen BfG-Pavillons halte ich für besonders wichtig, da viele Zeugnisse einer auch während der DDR-Zeit entstandenen modernen Formensprache der Architektur in Leipzig verloren gegangen sind.

    Leipzig, 2017

    Bernd Sikora
    Freier Architekt, Buchautor und ehem. Bundesvorsitzender des Deutschen Werkbundes
  • topfstedt 1

    Prof. i.R. Dr. phil. habil. Thomas Topfstedt
    "Auch das denkmalgerechte Nutzungskonzept des Pavillons als Ateliergebäude und als Ort kultureller Events spricht unbedingt für den vorgeschlagenen Standort."

    Stellungnahme zu der Initiative zur Rettung des Pavillons 10.15. (ehem. Bank für Gemeinwirtschaft)
    auf dem Gelände der Alten Messe Leipzig

    Der 1977-1978 auf dem Gelände der Technischen Messe Leipzig errichtete Pavillon 10.15. ist das letzte erhaltene Exemplar dieser einst für das bauliche Gesamtbild des Messeareals typischen Gebäude. Überdies ist es ein Baudenkmal, das nicht nur eine bedeutende architektonische Qualität besitzt, sondern auch ein höchst seltener, wenn nicht gar einzigartiger Beleg einer deutsch-deutschen Kooperation im Bereich der Messearchitektur. Das Gebäude wurde im Auftrag der Bank für Gemeinwirtshaft nach Plänen des in Frankfurt/Main tätigen Architekten Hans Ulrich von Mende mit fast ausschließlich aus der Bundesrepublik importierten Materialien errichtet. Der DDR-seitige, für die Realisierung des Projektes zuständige Partner war das auf hochwertige Stahlmontagebauten spezialisierte Leipziger Metalleichtbaukombinat. Dank seiner soliden Materialität und seiner sorgfältigen Bauausführung hat es seit seiner Inbetriebnahme die folgenden vier Jahrzehnte ohne nennenswerte Verschleißerscheinungen überstanden. Da es leider nicht möglich war, der Pavillon an seinem originalen Standort zu erhalten, ist er dank einer Privatinitiative demontiert und nahezu komplett eingelagert worden. Damit besteht die Möglichkeit, den Bau an einem anderen Ort innerhalb des Geländes der Alten Messe wiederaufzubauen und ein architektur- wie zeitgeschichtlich gleichermaßen bemerkenswertes Baudenkmal im historischen Kontext zu erhalten.

    Der Vorschlag, das Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft der Messehalle von Wilhelm Kreis zu errichten, stellt meiner Ansicht nach die optimale Lösung dar. Zum einen würde sehr anschaulich eine baugeschichtliche „Zeitspur“ von den Anfängen bis zur Endzeit der Alten Messe geschaffen. Andererseits würden das monumentale Ausstellungsgebäude von 1913 und der filigrane, gleichwohl selbstbewusst elegant in Erscheinung tretende Pavillon der 1970er Jahre die typologische Breite der Architektur der ehemaligen Technischen Messe geradezu exemplarisch vor Augen führen. Auch das denkmalgerechte Nutzungskonzept des Pavillons als Ateliergebäude und als Ort kultureller Events spricht unbedingt für den vorgeschlagenen Standort.

    Prof. i.R. Dr. phil. habil. Thomas Topfstedt
  • stadtforum 2

    Stadtforum Leipzig
    "dieses in Architektur und Historie herausragende Gebäude der Stadt Leipzig zu erhalten."

    Der BfG-Pavillon auf der Alten Messe

    Das Stadtforum Leipzig musste mit großer Enttäuschung feststellen, dass gegenüber dem Erhalt der letzten Pavillons auf dem Gelände der Alten Messe wirtschaftlichen Interessen offenbar der Vorzug gegeben wurde.
    Letzte Zeugnisse der ursprünglich reichen Vielfalt der Pavillonarchitektur des Geländes werden damit unwiederbringlich ausgelöscht.
    Bergung und Initiative zum Wiederaufbau des BfG-Pavillons durch Herrn Böhme sind deshalb hoch anzuerkennen.
    Die Chance zum Wiederaufbau auf dem Gelände der Alten Messe ist für den potentiellen Denkmalwert von zentraler Bedeutung.
    Das Stadtforum fordert alle Institutionen der Stadt Leipzig, insbesondere den Aufsichtsrat Alte Messe dringlichst dazu auf, die Initiative mit einer Grundstücksvergabe auf dem Alten Messegelände zu unterstützen, um dieses in Architektur und Historie herausragende Gebäude der Stadt Leipzig zu erhalten.

     

    Stadtforum Leipzig
    für behutsamen Stadtumbau
  • Mende Draeger200

    Hans-Ulrich von Mende und Helmut Dräger
    "der Pavillon könnte nicht die Tragik der Trennung, sondern die Zeichen der Hoffnung widerspiegeln."

    Architekt und Bauleiter zur Initiative
    Die Geschichte des BfG-Pavillons auf dem Alten Messegelände in Leipzig ist ein kleines, aber gutes Beispiel dafür,dass zwischen beiden Deutschlands Kooperationen möglich waren, nicht nur im großen Stil (Ich erinnere an die Kreditvergaben von Franz Josef Strauss an die DDR, ich erinnere an den Besuch von Willy Brandt in Erfurt), auch im Kleinen konnte es gelingen. Ich erzähle seit 1978 oft von dieser Zusammenarbeit, von der Zuverlässigkeit unserer Kollegen in Leipzig und dem wunderbaren Einsatz, besonders ganz am Schluss mit den Arbeiten an den Außenanlagen. Einige Male suchte ich per Google Earth das Gelände ab, um zu sehen ob dieser denkwürdige Pavillon noch existiert, konnte aber keine klaren Hinweise entdecken. Um so größer war die Freude dann vor einem Jahr von Herrn Böhme zu hören, wie es um den Pavillon bestellt ist. Dass er nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde, kann man hinsichtlich der Kriterien des deutschen Denkmalschutzes eventuell verstehen. Was bei diesen Kriterien vernachlässigt wird, ist nicht die baugeschichtliche Bedeutung eines Gebäudes, sondern die emotionale. Zu gut konnte ich es selbst an Häusern erleben, in denen ich in meiner Jugend lebte und die später einfach verschwanden. Nun ist der Pavillon kein privates Wohnhaus, aber ich glaube er ist Symbol genug, dass er zumindest, wenn schon nicht denkmalgeschützt, an einer anderen Stelle wieder aufgebaut werden kann. Wir haben ausreichend Gedenkstätten entlang der Mauer und im Lande entlang der ehemaligen Grenzbefestigungen, es fehlen die kleinen Beispiele aus dem Alltag zweier Deutschlands. Man stelle sich vor, wenn der Pavillon wieder errichtet werden könnte und er dann eine Informationstafel bekäme, die in wenigen Worten nicht die Tragik der Trennung, sondern die Zeichen der Hoffnung widerspiegeln könnte.
    So könnten die großen Worte von Willy Brandt: Es wächst zusammen, was zusammen gehört als Beispiel der Richtigkeit dieser Aussage gesehen werden. Ist das ein zu großer Wunsch? Ich glaube nicht und wünsche André Böhme jeden Erfolg dafür.

    September 2017

    Bauleiter Helmut Dräger:

    Wenn nun nach 40 Jahren ein Rückbau des Pavillons erfolgen muss, wäre es gut, wenn er an einem anderen Standort auf dem Alten Messegelände aufgestellt würde. Er ist immerhin ein Mosaiksteinchen deutscher Geschichte und ein Zeichen, dass es in der Zeit der Spaltung beider deutscher Staaten eine wirtschaftliche Zusammenarbeit gab. In dem Büchlein „Leipzig im Strudel des 20. Jahrhunderts“ von Brigitte Lehmann wurde der Bau des Pavillons als Wirtschaftswunder der deutsch-deutschen Zusammenarbeit erwähnt.

     

    Hans-Ulrich von Mende
    Architekt und Buchautor
Pavillon 1b 1

Zur Geschichte Pavillon 15.1

Bericht des Architekten Hans-Ulrich von Mende

Lieber Herr Böhme,

Alles begann mit der Idee der BfG Bank, nach Jahren in überheizten Messehallen einen eigenen Pavillon zu bauen. Da das Büro Braun+Schlockermann schon vorher einige Projekte für die BfG machte, bekam das Büro den Auftrag für Leipzig. Es begann mit einem Besuch im Außenhandelsministerium in Ostberlin in überheizten und rauchgeschwängerten Räumen. Da der Termin extrem kurz war, Ostberlin im Oktober, Eröffnung im März, wurde man sich auch schnell einig. Vor Baubeginn musste das Grundstück noch beräumt werden. Ein Raupenfahrer hatte dazu den Plan des Bereiches, damit er keine Leitungen beschädigte. Dummerweise aber hatte der Plan keine Elektrohauptleitung enthalten, die er dann prompt mit seinem Gerät durchtrennte und für Tage das Messegelände ohne Strom hinterließ.
 
Der Pavillon wurde mit Bodenplatte Rohbau und Fassade vom Leichtmetallkombinat Leipzig errichtet, begleitet von einem älteren Ingenieur, der bereits beim Bau der Alexkuppel in Berlin tätig war, und von einem jüngeren Architekten. Ich besuchte alle vier Wochen die Baustelle dank eines entsprechend gültigen Visums, das leider nur für den Bezirk Leipzig gültig war. (Ich habe aber immer noch einen Teil meiner Familie in den neuen Bundesländern und hatte diese später auch besucht. Ich selbst, Jahrgang 43, lebte von 1944 bis 1947 in Zwickau und bin dann nach Hamburg umgesiedelt und seit 1954 in Frankfurt.)
 
Bodenplatte, Stahltraggerüst und Fassade waren recht schnell errichtet. Das Kombinat hatte sich alle Mühe gegeben, den architektonischen Wünschen zu folgen. So zum Beispiel mit einem recht schönen Aluriffelblech für die Fassade. Das Detail des Ringes als Türgriff war vergleichsweise schwierig, weil es dieses serienmäßig nicht gab, aber man hatte sich nicht lumpen lassen, einen entsprechenden Ring farbgetreu wie die Fassade zu beschaffen.
 
Der Ausbau inklusive Haustechnik kam aus Westdeutschland, teilweise vorgefertigt, was der enge Zeitplan notwendig machte. Ich hatte bis dahin und auch später nie einen so klaren, gerasterten Entwurf gemacht, was bei einem Bau dieser Größe wohl die angemessenste Form ist und einer schnellen Errichtung entgegenkam. Um den Eröffnungstermin zu halten, hatte zum Beispiel der Teppichleger den restlichen Bauschutt vor sich her zu kehren, um zentimeterweise den Teppich zu verkleben. Die Außenanlagen liefen innerhalb von drei Tagen, einschließlich Pflanzung und Pflasterung. Ich war begeistert über den Fleiß, den wir noch förderten mit Cola, Sprite und Bier, was aus Frankfurt schon drei Tage vor Eröffnung palettenweise eintraf. Den Sekt hatte dann allerdings ein stellvertretender Außenhandelsminister einen Tag vor Eröffnung genossen und zwar nicht wenig.
 
Meine bei den Besuchen bei einem jungen Messegaststättenkellner schwarz getauschten DM hatte ich in Bücher über Grafikdesign und Kunst angelegt. Einem Bauarbeiter besorgte ich in Frankfurt gar noch ein edles Hundehalsband, was mir ein Frühstück mit erstklassigen Fleischklopsen und ausreichend Schnaps einbrachte.
 
Offiziell wurde der Pavillon am zweiten oder dritten Messetag eröffnet, mit allem Pomp eines solchen Anlasses. Wenn ich heute die Bilder sehe, dann bin ich glücklich darüber, wie sauber und zeitlos das Konzept immer noch ist. Außerdem ein kleines aber wertvolles Beispiel, dass beide Deutschlands doch zusammenarbeiten können. Allein das wäre es doch wert, den Pavillon nicht zum Abbruch freizugeben.
 
Ich würde mich freuen, wenn das gelingt und wünsche Ihnen allen Erfolg dazu. Wenn Sie mich brauchen, lassen Sie es mich wissen.
 
Beste Grüße Ihr Hans-Ulrich von Mende

  • Grundriss w 1
  • Bild Fertigstellung 2
  • Bild innen 6
  • Bild innen 5
  • Ansicht w

HANS-ULRICH VON MENDE

Von Mende studierte von 1964 bis 1973 Architektur an der Technischen Hochschule Darmstadt und schloss das Studium als Dipl.-Ing. ab. Er arbeitete von 1972 bis 1989 im Architekturbüro Braun & Schlockermann und Partner und war dort u.a. am Wiederaufbau Alten Oper in Frankfurt am Main beteiligt.
Von 1990 bis 2011 war von Mende Mitinhaber des Architekturbüros NHT & Partner in Frankfurt am Main.
Im Rahmen seiner selbständigen Tätigkeit hatte er u.a. folgende eigene Bauprojekte:
• Bayerische Vereinsbank in Frankfurt am Main
• Poseidon-Haus in Frankfurt am Main
• Kontorhaus in der Mainzer Landstraße in Frankfurt am Main
• Junghof-Plaza in Frankfurt am Main (mit Skidmore, Owings and Merrill, New York)
• Triton-Haus in Frankfurt am Main
• Hochhaus des Deutschen Fachverlags in Frankfurt am Main
Hans-Ulrich von Mende schrieb von 1966 bis 1971 für die italienische Autozeitschrift Motor, von 1982 bis 1989 für die mot aus Stuttgart. Seit 1976 schreibt er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, seit 2007 für die Autobild und seit 2012 für die Süddeutsche Zeitung.
Er tritt öffentlich als Architektur- und Designexperte auf. Er ist Mitglied im Bund Deutscher Architekten, im Deutschen Werkbund Hessen, im Deutschen Designer Club, in der Vereinigung der Freunde des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt e.V., im Verein trax e.V. und Aufsichtsausschussmitglied des Versorgungswerkes NRW. Außerdem war er Jury-Mitglied beim Design-Gipfel der Autobild 2011, sowie beim Visual Music Award 2008 des Institut für Neue Medien und gehörte von 2000 bis 2010 dem Städtebaubeirat der Stadt Frankfurt am Main an.

(Quelle: Wikipedia)

Bauleiter Helmut Dräger und Hans-Ulrich von Mende im fertigen Pavillon, 1978
Bauleiter Helmut Dräger und Hans-Ulrich von Mende im fertigen Pavillon, 1978
Aus einer Broschüre des Architekturbüros Braun
Aus einer Broschüre des Architekturbüros Braun & Schlockermann und Partner

Bank für Gemeinwirtschaft

Die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), hervorgegangen aus den deutschen Gemeinwirtschaftsbanken, war ein Kreditinstitut, das im Jahr 2000 in der SEB AG aufgegangen ist. Das Privatkundengeschäft wird seit 2011 von der spanischen Banco Santander-Gruppe weitergeführt.

Als Gemeinwirtschaftsbanken wurden in Deutschland die Banken bezeichnet, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Gewerkschaften in Verbindung mit der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine (GEG), der Wirtschaftszentrale der Konsumgenossenschaftsbewegung, gegründet wurden. Sie setzten die Tradition der schon die in den Zwanzigern bestehenden kleineren Gewerkschaftsbanken und Bank-Einrichtungen der Konsumgenossenschaftsbewegung sowie der Bank der Deutschen Arbeit fort.

 

Aus einem Werbeprospekt des Metalleichtbaukombinats.
Bildunterschrift: "Messepavillon für eine BRD-Bank, Leipzig"
Aus einem Werbeprospekt des Metalleichtbaukombinats. Bildunterschrift: „Messepavillon für eine BRD-Bank, Leipzig“
02_Der VEB Teil1
05_Münzen

Bericht des Bauleiters Helmut Dräger

Mitte der 70er Jahre, zur Zeit des Kalten Krieges, waren die beiden deutschen Staaten tief gespalten. Trotzdem wurde entschieden, in Zukunft auf der Leipziger Messe finanzielle Beratungen und Abschlüsse unmittelbar vor Ort, d.h. auf dem Messegelände durchzuführen. Dazu benötigte man aber keine großen Hallen.
Die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) aus der Bundesrepublik war sofort bereit, einen eigenen repräsentativen Verhandlungsort in Form eines Pavillons zu bauen. Sie beauftragte das Architekturbüro Braun und Schlottermann in Frankfurt a.M. mit dem Entwurf und der Planung. Federführend war der Architekt Herr von Mende.

Die Ausführung des Pavillons sollte von einem DDR-Unternehmen erfolgen. Den Zuschlag für die Ausführung bekam das Metalleichtbaukombinat (MLK) Werk Leipzig. In diesem Unternehmen war ich als Dipl.-Ingenieur tätig und mir wurde die Bauleitung übertragen. Herr von Mende legte in Absprache mit dem Auftraggeber, unter Berücksichtigung des damaligen Architekturstils in der BRD, Pläne vor.
Nach Sichtung der Unterlagen kamen wir schnell zu der Übereinstimmung, dass nicht alles mit den uns in der DDR zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu realisieren war und somit einigte man sich auf eine Arbeitsteilung. Damit war der Grundstein für eine deutsch-deutsche Zusammenarbeit gelegt.
Zunächst wurde über die Bauzeit verhandelt. Dabei kam heraus, dass das Vorhaben zwischen der Herbst- und Frühjahrsmesse abzuwickeln war. Termindruck war damit vorprogrammiert. Das DDR-Unternehmen übernahm den Rohbau, d.h. die Gründungsarbeiten, Fundamente, Stahlskelett, Fassadenverkleidung mit eloxierten und geriffelten Aluminiumlamellen, Thermoverglasung usw. Für den Innenausbau wurden Firmen aus der BRD beauftragt. Das beinhaltete die Installation der Haustechnik, Hallen- und Zimmerwände in Ständerbauweise sowie Fußbodenbelag und Möblierung.

Trotz schwieriger Kommunikation kam es zu einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen dem Architekturbüro und der Bauleitung. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Handwerkern beider Staaten verlief harmonisch und mit gegenseitiger Hilfsbereitschaft.
Zu einer kritischen Phase kam es bei der Ausführung des Frieses in der Empfangshalle. Vom Architekten war ein kassettenartiger Fries vorgesehen. Dieser war nur mit einem hohen Zeitaufwand ausführbar, welcher aber nicht zur Verfügung stand. So musste ich mich als Bauleiter für eine andere Ausführung entscheiden. Mit Zusage des Architekturbüros einigten wir uns auf ein durchgehendes Band aus Alulamellen. Das Material der Außenfassade wurde somit auch im Inneren fortgesetzt. Am Ende wurde es als eine gute Lösung empfunden.

Eine andere Problematik war die Gestaltung und Ausführung der Eingangszone. Der Wunsch des Auftraggebers war, diese mit einem Kleinpflaster zu versehen. In der BRD galt dies zu dieser Zeit als repräsentativ. In der DDR war diese Ausführungsart nahezu unbekannt. Bei der Beschaffung kam es, genauso wie bei den Begrenzungssteinen aus rotem Granit, zu Schwierigkeiten. Aber auch dies wurde gelöst nach dem Motto: “Nichts ist unmöglich“.
Für die Verlegung der Pflastersteine gab es kaum noch einen Handwerker, der dieses Handwerk beherrschte. So wurde ein 80jähriger Rentner ausfindig gemacht, der einige Tage vor dem Pavillon kniete und das Werk vollendete. Zu einem hektischen Einsatz kam es nochmals vor der Eröffnung der Messe. Es betraf die Außenanlage. Eine junge Gärtnerin hatte mit viel Liebe und Begeisterung die Planung übernommen und eine passende Pflanzenauswahl getroffen. An einem Vormittag wurden diese angeliefert und vor dem Pavillon gelagert. Nach der Mittagspause sollte mit der Bepflanzung begonnen werden, aber was war nicht mehr da: die Pflanzen.
Zu dieser Zeit herrschte auf dem Gelände ein hektischer Trubel und auch andere hatten offensichtlich an den Pflanzen Gefallen gefunden. So mussten also schnell neue besorgt werden. Sie kamen noch rechtzeitig vor Übergabe des Pavillons in die Erde.
Zur Einweihung kamen Vertreter von Auftraggeber, Architektenbüro und Ausführungsbetrieb. Von allen wurde über die gemeinsam geleistete Arbeit ein Lob ausgesprochen.

Foto Bau 6b w
Während der Bauarbeiten 1977. Foto Helmut Dräger
Während der Bauarbeiten 1977. Foto Helmut Dräger

Der Pavillon als kreatives Zentrum Ausblick

Atelier André Böhme im Pavillon 15.1  ca. 2003  Foto: Martin Jehnichen
Atelier André Böhme im Pavillon 15.1 ca. 2003 Foto: Martin Jehnichen

in den vergangenen 19 Jahren entstanden im Pavillon zahlreiche Kunstwerke, Ausstellungs-gestaltungen und Bühnenbilder.
Die Produktionen des Theater Titanick trugen den Namen Leipzigs in alle Welt.
Konzeption und Bühnenbild zur 1000-Jahr-Feier Leipzigs mit der Produktion „Lipsias Löwen“ des Theater Titanick hatten an diesem Ort ihren Ursprung, genauso wie zahlreiche Gestaltungen für die Sächsischen Kunstsammlungen und die Reiss-Engelhorn-Museen.

Ausblick

Auch künftig soll der Pavillon ein kreatives Zentrum bleiben, von welchem Impulse für Kunst und Kultur auf der Alten Messe und für die ganze Stadt ausgehen sollen.
Er kann damit ein kleines Gegengewicht zur inzwischen überwiegend von Einzelhandelsmärkten dominierten Geländenutzung bilden.
Ausstellungsraum und Theaterwerkstatt wären ergänzende Bausteine.

Theater Titanick: Theaterobjekt für die EXPO in Lissabon 1998. Foto Bertram Kober
Theater Titanick: Theaterobjekt für die EXPO in Lissabon 1998. Foto Bertram Kober
Theater Titanick: Lipsias Löwen
Theater Titanick: Lipsias Löwen
Theater Titanick: Lipsias Löwen in Aktion 2016. Foto Martin Jehnichen
Theater Titanick: Lipsias Löwen in Aktion 2016. Foto Martin Jehnichen

Bergung und Wiederaufbau Dank

Nur wenige Wochen verblieben für die Demontage des Pavillons.
Die Unternehmung verhieß immensen Aufwand. So mussten, um die Stahlkonstruktion zu bergen, 80t Beton händisch vom Dach gebrochen werden. Konstruktion, Wandelemente Innenausbau sind nun gesichert und gelagert.
Die Firma Stadler hat im Übrigen eine Beteiligung an den Abbruchkosten, welche man vernunftgemäß hätte erwarten können, konsequent verweigert.
Wie immer konstruktiv und unterstützend zeigte sich dagegen die Geländeverwaltung LEVG. Hierfür an dieser Stelle vielen Dank!

Nachdem nun die Bergung vollbracht ist, steht der denkmalgerechte und energetisch optimierte Wiederaufbau an einem neuen Platz bevor. Die Initiative braucht hierfür Verbündete und Unterstützer. Ich freue mich auf Ihre Hilfe und danke ganz herzlich im Voraus.

Andrè Böhme

Rückbau August 2017  Foto: Martin Jehnichen
Rückbau August 2017 Foto: Martin Jehnichen
Türgriff, Sonderanfertigung 1977 Foto
Türgriff, Sonderanfertigung 1977 Foto & Webseite: Martin Jehnichen